1. German Event Summit – Die Lautesten sollten nicht immer ernst genommen werden.
Die Vorträge auf dem 1. German Event Summit waren etwas „durchwachsen“. Ich möchte jetzt nicht alles schlechtschreiben, denn es waren sehr inspirierende Vorträge dabei. Außerdem habe ich nicht alle Vorträge mitbekommen, kann also nicht beurteilen, ob ich nur manchmal Pech hatte. Ausführlicher berichtete eveos über den gesamten Event hier…
Die Rednerliste des 1. German Event Summit war sehr interessant. Deshalb war es umso enttäuschender, was manchmal an Vorträgen auf diesem Kongress geliefert wurde. Manch einer verwechselte seinen Vortrag mit einer Werbeveranstaltung und referierte eine halbe Stunde nur über „sein Unternehmen“ – wie groß, wie toll, wie professionell und überhaupt sind sie die Besten, und wenn nicht die Größten, so doch die Schönsten.
Marktschreier gibt es überall
Nur am Rande möchte ich zwei Beispiele nennen:
Eine Event-Agentur, die Erlebnisse und Action verkauft und dabei den langweiligsten Vortrag hielt, den ich seit Langem gehört habe. Reine Selbst-Beweihräucherung, der Vortrag war eine Aneinanderreihung von durchgeführten Events – inklusive Fotos und Video. Ich kam mir vor, wie bei einer dieser berüchtigten Kaffee-Fahrten und wollte schon schreien „JA, ICH NEHME DIESE HEIZDECKE!“
Danach kam noch eine große Firma, potenzieller Auftraggeber von Event-Agenturen. Die Firma präsentierte ihren Kundenevent – Talentbühne, Fußballwelt, Live-Kochshow, Gewinnspiele, Eigenprodukte als Sonderangebot, … – *Schnarch!*
Jetzt kommen wir aber zu den professionellen Vortragenden:
Da wäre zuerst Prof. Dr. Ekkehard Baumgartner mit dem Titel „Social Media und Events – Wo geht die Reise hin?“, der uns einen Einblick in die Welt von Social Media gab. Er erklärte uns, warum das Sinus-Milieu im Sozialem Netz keine Gültigkeit hat und dass es immer mehr Jobs als Community Manager gibt, obwohl wir auf die Ausbildung für diese Jobs noch warten müssen. Paradox. Weiters wissen viele Unternehmens-Chefs nicht, wie sie mit Social-Media-Kritik umgehen sollen. Dabei ist konstruktive Kritik doch der Motor, um die eigenen Leistungen zu verbessern. Kein Mensch oder Unternehmen kann sich selbst weiter entwickeln, wenn alle immer sagen „Ihr seid super!“, obwohl es nicht stimmt. Also keine Angst vor dem Internet und der darin vorkommenden Kritik. Herr Baumgartner erklärte aber auch, dass es nicht sinnvoll ist, mit aller Gewalt einen Blog zu eröffnen oder sich ohne Gedanken ins Social-Media-Geflecht zu stürzen – das kann schnell nach hinten los gehen.

Prof. Dr. Ekkehard Baumgartner bei der Arbeit - Copyright eveos
Wichtigster Event-Teilnehmer: die “Putzfrau” (nicht abwertend gemeint)
Noch ein positives Beispiel ist der (etwas kurze) Vortrag von Holger J. Bub mit dem Titel „Incentive-Konzepte der Zukunft – Wie man der Ent-Emotionalisierung der Geschäftswelt entgegenwirkt“. Herr Bub zeigte sehr schön auf, wie Incentives nicht funktionieren, nämlich wenn der Firmenboss eine „Spezial-Behandlung“ bekommt und Händler bzw. Mitarbeiter den „normalen Service“ in Anspruch nehmen müssen. Da kommt es schon vor, dass der Chef in der Businessclass fliegt, während die gesamte Mannschaft auf den billigen Plätzen vorliebnehmen muss. So was fördert eine 2-Klassen-Gesellschaft, die für Händler/Mitarbeiter nicht sehr motivierend ist. Die Botschaft von Herrn Bub ist, dass Incentives immer wichtiger werden, weil auch der (motivierte) Mitarbeiter für Unternehmen immer wichtiger wird – Mitarbeiterbindung. Allerdings ist nicht das „exotische“ Programm, sondern die entstehende Emotion wichtiger bei Incentive-Veranstaltungen. Den Firmenboss beim Tischtennis-Turnier einmal richtig „panieren“ ist sicher lustiger als ein Gala-Dinner mit der Abteilung, die ohnehin immer zusammenarbeitet.
Spontane Diskussion über Event & Social Media
Zu guter Letzt noch ein positives Beispiel von spontan angezettelter Diskussion. Gänzlich auf Eigen-Werbung verzichteten Peter Cramer und Martin Spitzenberg, die in einer Art Doppelconférence ihren Vortrag zu gestalten versuchten – mit ein bisschen mehr Übung kann das ein interessantes (Kabarett-) Programm werden.
Beide unterstrichen die Wichtigkeit, den Zug Richtung Social Media nicht zu verpassen, denn Firmen, die mit Menschen zu tun haben, werden ihren Namen auf jeden Fall im Sozialen Netz finden.
Spontan entschieden sich Cramer und Spitzenberg, ihr Social Media Event Camp, das beide bei der IMAX in Frankfurt organisierten, an Ort und Stelle zu reaktivieren. Es entstand in kürzester Zeit eine rege Diskussion über Sinn und Unsinn von Social Media.

Peter Cramer und Martin Spitzenberg beim spontanen Social Media Event Camp
Eine Besucherin wollte und will auch noch in zehn Jahren nichts mit Social Media und ihren Auswüchsen zu tun haben. Dabei ist es fahrlässig, bei Diskussionen um das eigene Unternehmen nicht mitwirken zu wollen. Bei all den Vorträgen wurde von potenziellen Auftraggebern immer wieder erwähnt, dass sie sich wünschen, dass die (Event-)Agenturen ihr Unternehmen besser kennen und die Veranstaltungen dementsprechend ausrichten. Dieser Wunsch ist es, der mich als Eventagentur verstärkt zu Facebook, Twitter und Co drängen würde. Wo bitte gibt es einen Ort, an dem ich das wahre Image eines Kunden besser kennen lerne, als in den Sozialen Netzwerken. Ich brauche nur zuhören.
Allerdings hat uns der Kongress gezeigt, dass zuhören nicht die Stärke ist von so mancher Agentur.
Fazit:
Viele gute Vorträge und einige wenige Marktschreier. Die aber auch zur Unterhaltung beitrugen, denn nach dem Vortrag einiger Vortragender wurde fleißig über die Themenverfehlung diskutiert. Oft herrscht noch tiefe Verunsicherung gegenüber Sozialen Medien und was damit angefangen werden kann. Einige Agenturen sehen Blogs, Twitter, Facebook und Co als reine Zeitverschwendung und Werkzeug der so genannten Generation Y. Das erinnert an die Zeiten, wo noch die Tochter oder der Sohn die Betriebs-Website programmiert hat – weil der kann das ja auch (unzählige Beispiele im Netz). Die Vortragenden waren gut, auch die Marktschreier hatten sicher viel Kompetenz, die sie allerdings nicht mit den Zuhörern teilen wollten.
Auch hier finde ich das Basis-Programm von den Veranstaltern durchaus gelungen, nur sollte es für die Vortragenden das nächste Mal vielleicht Richtlinien geben, an die sie sich halten müssen – Firmennamen nur 1 Mal in den Mund nehmen zum Beispiel.
