Grafenegger Musik-Sommer für Klassik-Dummies


Einer der großen Vorteile, wenn man mit Locations arbeitet, sind Einladungen zu Veranstaltungen, die man sonst eigentlich nicht besuchen würde. So geschehen gestern mit einer Einladung zu einer Veranstaltung des Schloss Grafenegg – “Gustav Mahler Jugendorchester” mit Christian Gerhaher (Bariton) und Herbert Blomstedt (Dirigent).

Eigentlich höre ich eher Musikrichtungen wie NiN („Nine Inch Nails“) oder „Sex Pistols“ – also laut, schnell und ein bisschen Chaos. Was nicht bedeutet, dass ich anderen Musikrichtungen gegenüber nicht aufgeschlossen wäre – na ja, Schlager und dieser Ö3 Pop sind nichts für mich. Ich höre mir auch gerne Klassik an, aber am liebsten laut, schnell und mit ein wenig Chaos – wie manche Stücke von Edvard Grieg zum Beispiel.

Der Wolkenturm in Grafenegg ist ein beeindruckendes Gebäude.

Aber fangen wir am Anfang an.

Das Schloss Grafenegg interessiert mich hauptsächlich deshalb, weil dort Veranstaltungen organisiert werden können. Das war auch der Hauptgrund, warum wir dieser Einladung gefolgt sind. Wir wurden von Frau Zlocha durch das Gelände des Schlosses und durch das Schloss geführt. Frau Zlocha macht den Eindruck, wie wenn sie in dem Schloss aufgewachsen wäre. Dabei arbeitet sie erst ein paar Jahre dort. Sehr kompetent und überaus sympathisch vermittelt sie die alte und neue Geschichte des Schlosses.

Einer der Highlights ist der Wolkenturm. Es bedarf schon einer sehr genauen und sensiblen Planung, um ein Beton-Ding neben einem Schloss richtig zur Geltung zu bringen. Ohne dass das eine Gebäude das andere „stört“. Dieses Kunststück ist in Grafenegg ohne Zweifel sehr gelungen. Leider konnten wir uns das Konzert nicht im Wolkenturm anhören, da es den Musikern am Abend zu kalt geworden wäre – wurde uns gesagt. Eine Besonderheit ist, dass der Wolkenturm für jedermann zugänglich ist. Jeder kann sich also auf die Bühne stellen und ein Liedchen trällern oder Hamlet vortragen. Und die Akustik – die ist wirklich beeindruckend. Aber bitte nur dann ausprobieren, wenn nicht gerade ein Konzert stattfindet. Die Ausrede: „Aber der Benkovics hat gesagt, ich darf…“ wird niemanden beeindrucken. ;-)

Sehr einladend schaut auch der VIP Bereich des Schlosses aus, der Garten. Speisen im Schloss-Park, das wär doch mal was.

Als wir dort waren, haben wir einen Tisch für 6 Personen mit kleinem Buffet mitten im Park gesehen. Dort ist sicher auch ein romantisches Dinner for 2 möglich.

Nach der Führung war das Konzert im Auditorium ein echtes Klangerlebnis. Der erste Teil war Gustav Mahler mit dem Bariton Christian Gerharher, das war mir ein wenig zu „lieblich“; aber der 2. Teil von Anton Bruckner, der war dann schon eher in meine Richtung. Laut, schnell und ein wenig Chaos war auch dabei. Für die jungen Musiker war das teilweise richtig schwere Arbeit, mit Körpereinsatz. Übrigens: Das Orchester (ich dachte zuvor, in einem „Jugendorchester“ würden pickelige Jugendliche sitzen, die sonst in der Feuerwehr-Blasmusik-Kapelle spielen und irgend einem Brotberuf nachgehen würden) – weit gefehlt, das waren alles Vollblut-Musiker, die nur mit viel Disziplin und Übung solche Töne zustande bringen – da geht sich nur schwer ein anderer Job aus. Jetzt weiß ich auch, dass das Orchester im Jahre 1986 in Wien gegründet wurde, die Musiker nicht über 26 Jahre alt sein dürfen, aus ganz Europa kommen und erst nach einem Probespielen von einer Jury aufgenommen werden – oder auch nicht. Das „Gustav Mahler Jugendorchester“ spielt mittlerweile weltweit auf internationalen Festivals. Da sieht man wieder, dass eine gute Mischung Tolles hervorbringt.

Das Auditorium in Grafenegg.

Das Auditorium in Grafenegg.

Durch meine Firma komme ich mit vielen Locations in Verbindung und sehe so manches Juwel, das durch Sturheit, Arroganz und Inkompetenz im Event-Business einfach so dahin dümpelt. Das Schloss Grafenegg liegt in einer nicht gerade idealen Zone, um Agenturen für sich zu begeistern, aber schafft es durch Innovationen und Professionalität, Firmen davon zu überzeugen, doch einen etwas längeren Weg zum Schloss in Kauf zu nehmen.

Ich wünsche mir für Österreich viele solche Locations und auch manche Organisation, die sich die Schloss Grafenegg Crew als Vorbild nimmt.

Ach ja, das nächste Mal bin ich sicher beim Grafenegger Advent, der soll ja mittlerweile noch um einiges besser sein, als wie ich das letzte Mal dort war. Und nächstes Jahr gebe ich mir wieder ein klassisches Konzert. Vielleicht auf einem Rasenplatz, denn das ist dann richtig romantisch. Mit einem Glaserl Champagner unter Sternenhimmel den Musikern bei der Arbeit zuhören… Das geht auf den teureren Sitzplätzen nicht.

  • Gudrun
    soso, "laut, schnell und ein bisschen chaotisch" soll es also sein ;-)
  • platzpirsch
    Wie das Leben. ;-)
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