Verabschiedung der Paralympics-Teilnehmer


Am Freitag fand die offizielle Verabschiedung des Österreichischen Paralympischen Teams zu den X. Paralympic Wintergames in Vancouver statt. Viele Offizielle, allen voran unser BP Heinz Fischer, nahmen an der Verabschiedung teil. Die feierliche Veranstaltung fand im Studio 44 der Österreichischen Lotterien statt.
Normalerweise würde ich jetzt über den Event schreiben, wie ich die Location und das Catering empfunden habe, und welchen Eindruck die gesamte Veranstaltung auf mich gemacht hat. Aber diesmal möchte ich über die BesucherInnen berichten.

Wie sich alle denken können, waren viele der BesucherInnen etwas gehandicapt. Einige im Rollstuhl, manche mit fehlenden Gliedmaßen, andere mit sehr eingeschränkter bzw. fehlender Sehkraft. Aber alle mit großer Ausstrahlung. Die beteiligten SportlerInnen und Betreuer wirkten wie eine große harmonische Familie.

Verabschiedung TEAM VANCOUVER 2010 ((c) ÖPC/Franz Baldauf)

Verabschiedung TEAM VANCOUVER 2010 ((c) ÖPC/Franz Baldauf)

Wir genossen die Veranstaltung, bei der wir neben dem jungen Trainer Mario Ratz zu sitzen kamen. Er konnte uns einen guten Einblick in das SportlerInnen-Leben geben. Dabei war mir nicht bewusst gewesen, welch großen Willen zur Motivation diese SportlerInnen aufbringen müssen. Ehrlicher Weise muss ich gestehen, dass es mich bisher auch nicht interessiert hat, wie behinderte SportlerInnen zum Beispiel ihre Trainingszeit einteilen.

Wie mir Herr Ratz berichtet hat, müssen alle SportlerInnen selbst dafür Sorge tragen, den Sommer über fit und wettbewerbsfähig zu bleiben. Dabei haben die meisten von ihnen Job und Familie!

Das ist nicht wie bei unseren sportlichen Aushängeschildern, die alles nachgetragen bekommen und sich das ganze Jahr um nichts anderes kümmern müssen, außer schnell den Berg runter zu fahren.
Gegen die Leistungen der paralympischen Teilnehmer schauen unsere olympischen Top-Athleten doch ziemlich alt aus. ;-)

Und … über Preisgelder oder Sponsor-Verträge sind auch nicht viele Worte zu verlieren, denn sonst müssten die behinderten SportlerInnen keinen Job ausüben.

Wenn für behinderte SportlerInnen das Geld nicht unbedingt die große Motivation ist, ist es dann vielleicht Anerkennung?

Die Realität sieht leider anders aus. Oft werden die SportlerInnen „geschnitten“ bzw. ignoriert. Viele Menschen wissen einfach nicht, wie sie mit der Behinderung des anderen umgehen sollen und wenden sich deshalb ab. Dabei hat ein behinderter Mensch weder eine ansteckende Krankheit (im Rollstuhl sitzen ist nicht ansteckend), noch hat er schlechtere Manieren oder ist dümmer als nicht behinderte Menschen.

Es kann also weder das Geld noch die Anerkennung sein, die diese SportlerInnen antreibt. Vielleicht ist es eine „Jetzt erst recht“ oder eine „Ich hab nichts zu verlieren“-Einstellung. Wie auch immer, dieser Wille etwas zu erreichen, ist nicht selbstverständlich und die meisten (ich eingeschlossen) nicht behinderten Menschen können von dieser Fähigkeit sich selbst zu motivieren nur träumen.

Stellvertretend für das ganze Paralympics-Team möchte ich zwei SportlerInnen erwähnen:
Claudia Lösch – Ski Alpin

Claudia Lösch (Foto © Franz Baldauf)

Claudia Lösch (Foto © Franz Baldauf)

Gesamtweltcup-Siegerin, kleine Kristallkugel in Slalom und Super-Kombination, 2-fache Silbermedaillen-Gewinnerin, Studentin der Politikwissenschaften, spricht drei Sprachen.
Ihr Wunsch für Olympia: „Es soll die Leistung hervorgehoben werden, der Sport, nicht die Behinderung im Vordergrund stehen. Man kann die persönliche Geschichte EIN Mal erzählen, aber dann sollten wir über´s Sportliche reden.“

Das werden wir doch zusammenbringen, oder?

Jürgen Egele – Ski Alpin

Jürgen Egle (Foto © Franz Baldauf)

Jürgen Egle (Foto © Franz Baldauf)

Vierfacher Weltcup Sieger, fünffacher Paralympics Medaillen-Gewinner, 2006 Teilnahme am „Race Across America“ (ca. 5 000 km von der Westküste zur Ostküste der USA!); 2010 startet er sein nächstes Projekt mit Jürgen Egle, Thomas Bechter, Philipp Bonadimann und Wolfgang Wimmer: Am 16. Oktober quer durch Australien von Perth bis Sydney – über 4 000 km, 12 000 Höhenmeter, bei Temperaturen um die 50 Grad.

Ich freue mich schon auf die Wettkämpfe! Nachdem der ORF zwar täglich eine Zusammenfassung bringt, allerdings irgendwann am Vormittag, werde ich mir das Spektakel im Internet ansehen:
http://www.oepc.at/vancouver2010

TOI, TOI, TOI unseren SportlerInnen!

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